Die Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft
kirchlicher Museen und Schatzkammern

Erklärung: Das kirchliche Museum als pastorale Institution

Für ein Museum in kirchlicher Trägerschaft gibt es neben den selbstverständlichen Museumsaufgaben – Sammeln, Konservieren, Präsentieren von Kunstwerken sowie begleitender wissenschaftlicher Forschungsarbeit – besonders diejenigen Zielsetzungen, denen sich die Kirche aus ihrer geistlichen Sendung heraus verpflichtet weiß. Ein solches Museum versteht sich sehr wesentlich auch als ein Ort der Auseinandersetzung mit der Welt des Glaubens, als eine Stätte der Befragung der persönlichen Lebenssicht und als Angebot seelisch-geistiger Vertiefung.

Wie der sakrale Raum stellt das kirchliche Museum Bildwerke menschlicher Sehnsüchte und Hoffnungen und vor allem solche vor Augen, in denen sich der Mensch dem göttlichen Mysterium zu öffnen versucht. Gegenüber den Kunstwerken in gottesdienstlichen Räumen besteht im kirchlichem Museum die zusätzliche und spezifische Möglichkeit, sich durch die Konzeption der Präsentation und Hinführung in gesteigerter Weise auf die Bildschöpfungen und ihre Aussagen einzulassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Begegnungen mit den Bildwerken führt so zur Kommunikation mit ihren Inhalten. Dieser Annäherungsprozess an das christliche Verkündigungsgut vollzieht sich außerhalb des sakralen Raumes gerade im kirchlichem Museum, ohne dabei den Museumsbesuchern den Eindruck einer Vereinnahmung zu wecken.

Das kirchliche Museum ist somit aufgrund feststellbarer Entkirchlichung eine notwendige Zwischeninstanz: Schon außerhalb des profanen Bereichs und noch nicht im sakralen angesiedelt. Die Vorstellung der Kunstwerke mit ihren Bildinhalten im Museum erwächst aus der pastoralen Sorge um diejenigen Menschen, deren Lebens- und Weltsicht eine transzendentale Ausrichtung nicht mehr einschließt. Die vielen, welche die Wirklichkeit allein auf Zeit und Raum eingeengt erfassen, können gerade im kirchlichem Museum – ohne Berührungsängste vor einer kultischen Begegnung mit Kirche – die Ausweitung ihrer Wirklichkeitserfahrung gewinnen. Durch diese Vorhofsituation wird das kirchliche Museum im Vorfeld des Glaubens wirksam.

Die im Museum vorgestellten Bildwerke schlagen die Brücke zur kirchlichen Verkündigung und deuten sie in eigenständiger Weise. Dieser durch die Museumspräsentation ermöglichte autonome Zugang macht das Museum gerade für eine säkularisierte Gesellschaft unentbehrlich und verleiht ihm auch den Stellenwert einer prophetischen Instanz. Entsprechend der Autonomie der vor Augen gestellten Kunst verfolgt ein kirchliches Museum einen pastoral eigenen Weg, der sich über alle konfessionellen, religiösen und ideologischen Grenzen hinaus als bedeutsamer menschlicher Dienst erweist. Die kirchlichen Museen sind also höchst pastorale Institutionen.

Zudem „braucht die Kirche die Kunst“ (Johannes Paul II). Durch sie nimmt die Kirche die Fragen des menschlichen Daseins vertiefter wahr, in die hinein sie das Evangelium verkündet.

Die Kunst ist Seismograph dessen, was die Menschen bewegt. Das kirchliche Museum ist Ort ihrer Vermittlung. Die Präsentation der Kunst und die museale Hinführung zu ihr lassen die Kirche in einer besonderen Weise den Menschen in den Blick nehmen.

(Verabschiedet auf der Jahreskonferenz der Arbeitsgemeinschaft in Chartres 2005.)